Schöne Kamera Bilder:
Certo Six

Bild von alf sigaro
Drei Kameras zähle ich zum Spitzentrio der 6×6-Klappkameras aus den 1950er Jahren: Die Super Ikonta, die Super Isolette – und die Certo Six (die übrigens zu Produktionsbeginn auch Certo „Super“ Six hieß).
Allen drei gemeinsam ist der gekuppelte Entfernungsmesser und das Bildzählwerk ohne rotes Fenster. Doch die Certo Six scheint mir technisch den andern beiden voraus zu sein: Dafür spricht vor allem der überragende automatische Parallaxenausgleich. Dazu wird beim Fokussieren nicht der Sucher verstellt, sondern das gesamte Objektiv. Das heißt, beim Einstellen in die Nähe bewegt sich das Objektiv nicht nur rückwärts, sondern auch nach oben! Eine großartige Leistung der Certo-Entwickler, zumal man bei Mittelformat-Balgenkameras selten Hilfen zum Parallaxen-Ausgleich findet.
Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal ist der Transporthebel, den man zweimal betätigen muss, um ein Bild weiterzukommen. Die beiden Spitzenmodelle von Zeiss und Agfa hatten nur ein Transportrad.
Gewöhnungsbedürftig ist bei der Certo Six allerdings das Scharfstellen und Auslösen. Auf dem Klappdeckel – also in ausgeklappten Zustand unten – ist ein Hebel, den man horizontal bewegen muss, um die Entfernung einzustellen. Das macht man möglichst mit dem linken Daumen, mit dem rechten Zeigefinger drückt man nämlich den Auslöser, der vorne am Gehäuse angebracht ist, in Richtung Kameramitte. Ist aber Übungssache.
Eine Doppelbelichtungssperre ist natürlich selbstverständlich. Auf dem Transporthebel meines Exemplares ist eine Tiefenschärfegabel angebracht, bei anderen Modellen eine Filmmerkscheibe.
Viele Certo Sixen waren mit dem Synchro-Compur ausgerüstet, meine „nur“ mit dem DDR-Tempor (was natürlich auf die Bildqualität keinen Einfluss hat). Das Tessar war das häufigste Objektiv, manchmal findet man auch eine Certo Six mit dem Meyer Primotar 3,5/80.
Dazu gab es recht umfangreiches Zubehör für Nahaufnahmen und einen Einsatz für Kleinbildaufnahmen.
Alles in allem macht diese edle Kamera einen äußerst robusten und zuverlässigen Eindruck mit hoher Qualitätsanmutung – wozu auch das Gewicht beiträgt: ca. 900 g.
Die Produktion der Certo Six begann 1953 im „Certo-Camera-Werk von der Gönna Söhne“ in Dresden, das 1972 zum „VEB Certo-Kamera-Werk Dresden“ wurde, 1980 in das Kombinat VEB Pentacon Dresden eingegliedert und 1985 endgültig aufgelöst.
Und hier einer der größten Fans der Certo Six.
Überwachungskamera spezial #2

Bild von frank’n'furter
Diese Kamera passt auf, dass niemand das Schild stiehlt – oder den Werbekasten darunter?
Oder peilt sie gar zwischen beidem hindurch in ein Fenster des dahinterliegenden Hauses?
This link won’t work, I really don’t know why? [?]
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